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WO DIE KILOWATTSTUNDEN WACHSEN

Bei erneuerbaren Energien denken die meisten zuerst an Windkraft und Solarenergie. Doch die momentan wichtigste klimafreundliche Energiequelle ist eine andere.

Stroh, Holzreste, Ernteabfälle, Gülle aus der Tierhaltung – alle diese Stoffe haben eine Gemeinsamkeit. Die in diesen organischen Stoffen enthaltene Energie kann in elektrische, thermische oder chemische Energie umgewandelt werden. Diese Energie wird auch als Bioenergie bezeichnet, da sie auf pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen basiert.

STROM UND MEHR

Im Unterschied zu fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas erneuern sich diese Rohstoffe, denn sie wachsen immer wieder nach. Deshalb zählen sie zu den erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien decken in Deutschland mittlerweile rund 13 Prozent des gesamten Primärenergieeinsatzes ab. Über 60% davon stammen aus Bioenergie. Zum Vergleich: Die Windkraft als zweitwichtigster Lieferant bringt es nicht einmal auf 20 Prozent!

Bioenergie ist also die Chefin bei den klimafreundlichen Energien. Und das ist kein Wunder, denn so vielfältig wie die Arten von Biomasse sind auch ihre möglichen Einsatzgebiete in der Energiewirtschaft. Hauptsächlich wird sie als reiner Wärmelieferant genutzt. Das heißt, sie wird als Holzscheit, Pellet oder Hackschnitzel zu Heizzwecken direkt verfeuert. Es ist aber auch möglich bestimmte Biomassen in einer Biogasanlage zu vergären. Bei der meist folgenden Verbrennung des Biogases in einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage werden Strom und Wärme erzeugt. Zusätzlich können aus Biomasse auch Kraftstoffe wie Bioethanol oder Biodiesel erzeugt werden, die im Verkehrssektor eingesetzt werden können.

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SONDERROLLE FÜR DIE ENERGIEWENDE

Während also Wasser und Windkraft sowie Photovoltaik ausschließlich elektrische Energie liefern, kann Bioenergie mehr. Aber Moment! Strom ist doch die hochwertigste Energieform, die bei Bedarf auch in Wärme (z.B. Tauchsieder) umgewandelt oder für Mobilitätszwecke (Akkuladung im Elektroauto) genutzt werden kann. Was ist also das wirklich besondere an der Bioenergie, die ihr im Rahmen der Herausforderungen der Energiewende so eine Sonderstellung verleiht? Ganz einfach: Sie ist speicherbar! In Form von Biogas, Holzscheiten oder Biokraftstoff ist sie im Gegensatz zu Strom gut zu lagern. Man kann diese Energiereserve also genau dann einsetzen, wenn die anderen erneuerbaren Energien zu wenig liefern. Das ist beispielsweise bei Flaute (keine Windenergie!), an bewölkten Tagen oder nachts (keine Sonnenenergie!) oder bei sommerlichem Niedrigwasser (wenig Wasserkraft!) der Fall. Die Energienachfrage nimmt kaum Rücksicht auf das aktuelle Angebot an Energie. Deshalb muss es also gelingen, das gesamte Energiesystem unter vertretbarem finanziellem Aufwand umzubauen. Das Ziel muss sein, dass auch ausschließlich mit erneuerbaren Energien immer soviel Energie bereitgestellt werden kann, wie gerade benötigt wird. Um das zu erreichen, wird es also nicht ohne die clevere Nutzung von Bioenergie gehen! 

KLIMAFREUNDLICH, ABER NICHT CO2 -FREI

Aber ist der Einsatz von Biomasse wirklich klimafreundlich? Biogas, Holz, Biokraftstoffe – das sind doch immer organische Stoffe, die da verbrannt werden. Diese enthalten viel Kohlenstoff und bei ihrer Verbrennung wird dementsprechend CO2 freigesetzt. Und das verstärkt wiederum die globale Erwärmung. Wo ist also der Vorteil?

Richtig, bei der Nutzung von Bioenergieträgern wird das Treibhausgas CO2 in die Atmosphäre freigesetzt. Allerdings haben die Pflanzen das CO2, das sie für die Photosynthese benötigen, aus der Umgebung aufgenommen. Deshalb ist die Bioenergie gegenüber fossilen Energieträgern bilanziell im Vorteil. Diese sind zwar ursprünglich auch aus Pflanzen entstanden, aber das ist schon viele Millionen Jahre her. Sie haben also der Atmosphäre vor Urzeiten Kohlenstoff entzogen, der bis heute in ihnen gespeichert ist. Bei ihrer Verbrennung wird das dann aber nach Jahrmillionen wieder freigesetzt und erhöht somit die CO2-Konzentration in der Atmosphäre. 

BIOENERGIE AUCH IN DER KRITIK

Doch es gibt auch kritische Stimmen zur Bioenergie. So steht die für den Anbau von Energiepflanzen genutzte Ackerfläche nicht mehr für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung. Gegner der Bioenergie beklagen dies in der sogenannten Tank-oder-Teller-Diskussion. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass schon in früheren Zeiten in landwirtschaftlichen Betrieben rund ein Viertel der Anbaufläche für energetische Zwecke genutzt wurde. Allerdings waren eben damals noch Pferde und Ochsen, die den Wagen oder den Pflug zogen, mit den Erzeugnissen zu versorgen und nicht der Traktor, der ihre Aufgaben in der heutigen Zeit übernommen hat.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der vermehrte Anbau von Mais. Mais liefert in Biogasanlagen die höchste Ausbeute an Methan, wird also aus Gründen der Wirtschaftlichkeit bevorzugt eingesetzt. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Landschaftsbild („Vermaisung“), die Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt (Biodiversität) und auf die Nachhaltigkeit der Bodenbewirtschaftung. Der intensive Anbau hat durch den Einsatz von Maschinen, die Ausbringung von Mineraldüngern und Pestiziden neben den damit verbundenen Emissionen auch noch andere Auswirkungen auf die Umwelt.

Generell lässt sich sagen, dass natürlich auch bei der Bioenergie auf Effizienz und damit die Sinnhaftigkeit der Nutzung geachtet werden muss. Weite Transportstrecken, die Emissionen verursachen, und Umwandlungstechniken, die die in der Biomasse enthaltene Energie nur zu einem geringen Teil ausnutzen, sind natürlich problematisch. Insbesondere wenn man versucht, sich durch Importe von z.B. Holz oder Palmöl „grünzuwaschen“ und die mit dem Anbau verbundenen Probleme ins Ausland verlagert.

Es gilt also im Sinne der Nachhaltigkeit vernünftige Rahmenbedingungen festzulegen, in deren Grenzen die Nutzung der Bioenergie unumstritten sinnvoll ist.

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INFOKASTEN

Die erneuerbaren Energien sollen bereits Mitte dieses Jahrhunderts in Deutschland die Hauptlast der heimischen Energieversorgung übernehmen. Damit erlangt auch die Bioenergie eine zunehmende Bedeutung in der zukünftigen Energieversorgung. Laut Energiekonzept der Bundesregierung soll bis 2050 der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Energiebereitstellung* auf 60 Prozent steigen, wobei gleichzeitig der gesamte Primärenergieverbrauch** gegenüber 2008 halbiert werden soll. Neben Wind-, Wasser- und Sonnenenergie wird auch mehr und mehr die speicherfähige Bioenergie energetisch genutzt werden.
2015 lag der Beitrag der erneuerbaren Energien an der Energienutzung in Deutschland bei ca. 13 Prozent. Biomasse leistet mit einem Anteil über 60 Prozent nach wie vor den größten Beitrag zur Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien.
* Umgangssprachlich wird hierfür häufig der Begriff „Energieverbrauch“ verwendet. Energie kann jedoch physikalisch gesehen nicht verbraucht werden. Energie wird umgewandelt – beispielsweise von chemischer Energie wie in Erdöl oder Biomasse in elektrische Energie und dann z. B. über die Glühlampe in Lichtenergie und Wärmeenergie.
** Der in offiziellen Statistiken der Energiewirtschaft, der Bundesregierung und in Medien verwendete Begriff „Primärenergieverbrauch“ (PEV) bezeichnet den Energiegehalt aller eingesetzten Energieträger, ist aber physikalisch nicht korrekt.
Zitiert nach: Bundeslandwirtschaftsministerium http://www.bmel.de > Suche: Bioenergie