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GOLDGRÄBERSTIMMUNG IN DER ARKTIS

Die Klimaerwärmung führt zu Tauwetter im „ewigen“ Eis am Nordpol. In Zukunft werden neue Schifffahrtsrouten eisfrei und Bodenschätze in bisher unerreichbaren Regionen zugänglich. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren.

In über 4.000 Metern Meerestiefe haben russische Wissenschaftler 2007 mithilfe eines Mini-U-Boots am Nordpol eine russische Fahne in den Meeresboden gerammt. Die Aufsehen erregende Expedition diente auch dazu, russische Besitzansprüche in der Polarregion zu untermauern. 

ZANKAPFEL BODENSCHÄTZE

Bis zu 30 Prozent der weltweiten Vorkommen von Erdgas und rund 13 Prozent der Ölressourcen vermuten Geologen in der Arktis. Auch lagern dort bedeutende Mengen an Gold, Silber, Diamanten, Kupfer, Zinn und weiteren Metallen, vermutet die Deutsche Rohstoffagentur. Deshalb kommt es auch immer wieder zu Streitigkeiten um Grenzverläufe im hohen Norden. Norwegen, die USA, Dänemark, Kanada und Russland sind Anrainerstaaten der Arktis.

GRÖNLAND WIEDER GRÜNLAND

Um fünf Grad stieg die durchschnittliche Lufttemperatur in der Arktis in den letzten hundert Jahren, berichtet die Umweltschutzorganisation WWF. In der Folge taut das Packeis. Ab 2050 könnte die Arktis im Sommer komplett eisfrei sein, sagen Klimaforscher. Das Tauwetter heizt sich selbst weiter an: Zunächst reflektieren Eis und Schnee die Sonnenstrahlung aufgrund ihrer weißen bzw. hellen Oberfläche. Schmilzt das Eis aber zunehmend, fällt dieser Effekt weg und dunkle Land- und Wasserflächen absorbieren die Sonnenstrahlen und heizen sich dadurch auf. Die zusätzliche Wärmeaufnahme beschleunigt dann wiederum das Abschmelzen.
Auch wird Landwirtschaft in Regionen möglich, die seit Jahrhunderten unter einem dicken Eispanzer lagen. Dazu gehören beispielsweise Teile von Grönland, das sechs Mal so groß ist wie Deutschland. Die Wikinger nannten es einst „Grünland“, weil es in der letzten Warmzeit vor 1.000 Jahren fruchtbare Ackerflächen bot.

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Sollte das gesamte grönländische Eis schmelzen, könnte der Meeresspiegel um bis zu sieben Meter steigen, befürchtet der amerikanische Klimaforscher Gordon Hamilton. Im Untergrund Grönlands werden aber große Mengen an Bodenschätzen vermutet, die in diesem Falle dann leichter ausgebeutet werden könnten. Dazu gehören Eisenerz, Gold, Silber, Kupfer, Platin, Kohle und Diamanten sowie Millionen Tonnen so genannter „Seltener Erden“. Das sind Metalle wie Lanthan, Neodym oder Yttrium, die für Smartphones, LED-Leuchten oder Batterien gebraucht werden. An der Küste bohren Firmen bereits heute nach Erdöl

DIE ARKTIS

ist die Region um den Nordpol der Erde. Sie umfasst das Nordpolarmeer und die nördlichen Ausläufer Europas, Asiens und Amerikas. Etwa vier Millionen Menschen leben hier. Wichtigste Landmasse ist Grönland, dazu kommen einige wenige Inseln wie Spitzbergen.

NEUE VERKEHRSWEGE

In den Sommermonaten können Schiffe oder schwimmende Plattformen künftig wohl eisfreie Routen durch die Arktis nutzen. Die Nordostpassage von Europa über den Norden Russlands nach Asien ist 5.000 Kilometer kürzer als der Weg durch den Suez-Kanal. Noch behindern russische Vorbehalte den regen Schiffsverkehr. Die Nordwestpassage, nördlich von Kanada, verkürzt den Weg von Europa nach Asien ebenfalls sehr deutlich. Allerdings gefährden immer wieder Eisberge den Schiffsverkehr. Die globale Erwärmung könnte allerdings auch vermehrt zu extremen Stürmen führen, fürchten Experten. Das wiederum würde dann die Transporte der abgebauten Rohstoffe erschweren.

UMWELTSCHUTZ IN DER ARKTIS

Die Arktis ist ökologisch gesehen ein sehr sensibler Lebensraum. Durch die Kälte dauert es sehr viel länger als in den gemäßigten Breiten, bis sich z. B. Ölverschmutzungen an Land und im Wasser abbauen. Starke Beeinträchtigungen der Umwelt können durch die Zunahme des Schiffsverkehrs oder den Abbau von Bodenschätzen eintreten, vor allem wenn durch Wetterextreme Unfälle passieren.

Die Temperaturerhöhung und das Zurückweichen der Eisdecke zerstören sensible Nahrungskreisläufe und gefährdet die Nahrungsgrundlage von Fischen und Säugetieren wie Robben, Walen und Eisbären. Aber auch Flechten, Moose, Algen und Mikroorganismen verlieren ihren Lebensraum, darunter viele noch unerforschte Arten.