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WAS IHR ERLEBT, WENN IHR EINEN TAG AUF STROM VERZICHTET

Ich liebe Herausforderungen. Aber eine Herausforderung muss auch einen Sinn haben. Zum Beispiel etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Deshalb habe ich einfach einmal versucht, einen Tag lang ohne Strom auszukommen.
 

Am Earth Day wird weltweit für eine Stunde das Licht ausgeschaltet, um dem Klima zu helfen. Es gibt auch Weltenergiespartage und ähnliche Aktionen. Das brachte mich auf die Idee: einen Tag lang auf Strom verzichten!

Hier nun meine Erlebnisse, fein säuberlich mit Kugelschreiber in ein Notizbuch geschrieben. Der Laptop bleibt ja heute geschlossen. Sicherheitshalber habe ich mir einen schulfreien Tag herausgesucht. Schon das Aufstehen nervt, weil ich meinen alten, höllisch lauten Rasselwecker reaktivieren musste. Immerhin habe ich nicht vergessen, ihn aufzuziehen.

NICHTS FÜR WARMDUSCHER

Ganz schön duster heute Morgen… Richtig, Licht einschalten entfällt. Ich taste mich in die Küche. Ähm, tja, was esse und trinke ich denn? Keinen Toast, keinen Kaffee oder Tee. Na gut, kalte Milch macht auch munter. Ach ja, beim Kühlschrank habe ich den Stecker nicht gezogen. Nicht wirklich konsequent, schon klar, aber um die Lebensmittel darin wäre es wirklich schade…

Während ich an einem Brötchen vom Vortag kaue, überlege ich, ob etwas fehlt. Richtig: es kommt keine Musik aus dem Radio. Deshalb diese merkwürdige Stille heute. Das Handy liegt ausgeschaltet ganz unten im Kleiderschrank.
Nach dem Frühstück gehe ich eine Runde Joggen: zwar auch ohne Musik, aber kein Problem. Immerhin gibt es heute zwei kleine zusätzliche Sporteinheiten, denn statt des Aufzugs nehme ich die Treppe. Kurz habe ich mich noch auf die heiße Dusche gefreut, aber dann läuft es mir dank unseres Elektroboilers im wahrsten Sinne kalt den Rücken herunter. Na, das brauche ich jetzt wirklich nicht öfter! Mir wird beim Abtrocknen erst der glückliche Umstand bewusst, dass ich diese Herausforderung auf einen Sommertag gelegt habe. Unsere Heizung wird zwar mit Heizöl betrieben, aber ohne Strom funktioniert auch die nicht. Die Frisur muss heute mal ohne Hilfe des Föhns sitzen. Frische Klamotten habe ich ja glücklicherweise noch im Schrank, so dass das Waschen von Hand ausfällt.

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NENN‘ MICH ROBINSON

Ich habe mich schon gestern mit ein paar Leuten aus der Klasse im Park verabredet. Die S-Bahn darf ich nicht nehmen, also muss das Fahrrad an die frische Luft. Ich radle fröhlich zum Park, doch dort ist niemand. Eine Viertelstunde später ist klar, dass etwas nicht stimmt. Habe ich mir die falsche Zeit gemerkt? Haben meine lieben Mitschüler über WhatsApp spontan einen anderen Treffpunkt ausgemacht? Keine Chance, es herauszufinden. Was haben die Leute bloß früher in einer solchen Situation gemacht? Kurz denke ich an eine Buschtrommel, dann an eine Brieftaube. Hilft mir jetzt alles nicht weiter. Ich bin mitten in der Großstadt zum Aussteiger geworden, abgeschnitten vom sozialen Leben! Damit hatte ich vorher wirklich nicht gerechnet. 

Ich fahre weiter zu Lily. Zum Glück kenne ich den Weg auswendig. Klingeln ist nicht erlaubt, ich rufe also laut. Die Nachbarin guckt schon misstrauisch hinter der Gardine vor. Lily macht endlich die Tür auf, Gott sei Dank.

  DIE WELT WIRD KLEINER

Wir machen Pläne für heute Abend, doch das stellt sich als überraschend schwierig heraus. Kino, Club, Seriengucken, Videospielen, Musikhören, Burger essen – fällt alles aus. Hunger haben wir natürlich trotzdem. Deshalb wird erst einmal der Grill aufgebaut. Würstchen drauf, Brot rösten – lecker…  Jetzt bleibt wohl nur noch Gitarrenmusik am Lagerfeuer oder bei Kerzenschein? Oder im Dunkeln spazieren gehen? Das findet Lily zwar echt romantisch, klar, aber auf Dauer fühle ich mich nicht wohl als Stromabstinenzler.

Mein Fazit? Ein Tag ohne Strom ist eine interessante Erfahrung, aber bestimmt keine Dauerlösung. Jedenfalls nicht für mich. Die Welt wird plötzlich sehr anstrengend ohne all die kleinen Helfer, die das Leben so bequem machen und obendrein auch noch kleiner, da die Mobilität sehr eingeschränkt wird. Auf Musik, Rechner, Fernseher und soziale Netzwerke zu verzichten, geht schon gar nicht auf die Dauer. Deshalb bleibe ich weiter ein Stromsüchtiger. Aber zumindest ist mir die Anzahl der Stromverbraucher* in meiner Umgebung wesentlich bewusster geworden. Wenn ich auch nicht auf alles gleichzeitig verzichten kann, so kann ich wenigstens Dinge ausschalten, die ich gerade nicht nutze. So verringere ich meinen Stromkonsum, habe aber keinerlei Einschränkungen! 

INFOBOX


* Energie verbrauchen ist ein umgangssprachlicher Ausdruck und physikalisch gesehen nicht richtig. Energie lässt sich nicht verbrauchen, sondern nur umwandeln.

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STAND-BY-MODUS

Elektrogeräte im Stand-by-Modus sollten ganz ausgeschaltet werden. Die Kosten für Strom lassen sich so sehr deutlich reduzieren. Wer den Fernseher, den PC oder das Ladegerät ununterbrochen an der Steckdose hat, lässt ohne Komplettabschaltung sein Gerät 24 Stunden weiter Energie verbrauchen* – und das Tag für Tag. Da kommen im Jahr leicht bis zu 150 Euro zusätzliche Stromkosten zusammen, wenn man alle Geräte im Haushalt zusammen zählt. Es empfiehlt sich daher, eine abschaltbare Steckdosenleiste zu nutzen oder gleich den Stecker zu ziehen. Trotz immer sparsamerer Geräte ist der Stromverbrauch in Deutschland seit 1990 um mehr als 30 Prozent gestiegen.

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