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POWER TO X – OFFENE FRAGEN

Strom stammt bereits heute zu fast 33 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Bei der Wärme beträgt die eingesetzte Energie regenerativen Ursprungs dagegen erst etwas über dreizehn Prozent (2015) und im Mobilitätssektor sogar nur 5,3 Prozent (2015).
Die Energiewende ist damit zwar schon ein gutes Stück vorangekommen, dennoch bleibt noch viel zu tun. Denn das Ziel heißt, sämtliche Energie – Strom, Wärme, Mobilität – aus regenerativen Quellen zu beziehen. Doch lässt sich eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien überhaupt realisieren? Welche Hürden müssen noch genommen werden?

WO LIEGEN DIE PROBLEME?

Nachrichten über neu errichtete Windenergieanlagen, die eine bestimmte Anzahl von Haushalten mit Strom versorgen können, sind in den vergangenen Jahren keine Seltenheit. Doch leider vernachlässigen die positiv klingenden Zahlen eine entscheidende Tatsache. Nicht immer dann, wenn das Windrad sich dreht und Strom erzeugt, wird der Strom tatsächlich benötigt. Da er nur zu hohen Kosten speicherbar ist, sind Sonnen- und Windstrom für die Energieversorgung nicht unproblematisch. 

Ein Überangebot an erneuerbarem Strom – Starkwind kombiniert mit blauem Himmel – kann aktuell nicht die Lösung sein. Angebot und Nachfrage müssen im Stromnetz jederzeit im Gleichgewicht gehalten werden. Sonst sind schwerwiegende technische Probleme unvermeidbar. Vor allem zwei Fragen stehen im Raum: Woher erhalten die Haushalte ihren Strom, wenn die äußeren Bedingungen nicht stimmen? Und wo soll der überschüssig produzierte Strom bleiben?

Dass der Regelungsbedarf im Stromnetz zugenommen hat, beruht nicht zuletzt auf den genannten Entwicklungen. Schließlich muss die Netzstabilität aufrechterhalten und die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet werden.

Und noch ein Faktor schlägt zu Buche: Die technischen Voraussetzungen für ein Netz zu schaffen, das die neuen Anforderungen bewältigt und entsprechend ausgebaut wird, verursacht erhebliche Kosten. 

Energiewende bedeutet aber nicht ausschließlich regenerative Stromerzeugung, sondern einen Weg mit vielen Herausforderungen. Regenerativ erzeugter Strom macht nämlich zurzeit lediglich rund ein Viertel unseres gesamten Energiebedarfs aus. Bis zu einer Vollversorgung mit erneuerbaren Energien, das steht fest, wird es noch einige Zeit dauern. 

Die zentrale Aufgabe des Umbaus unserer Energieversorgung liegt also in der künftigen Speicherung und Wandlung von regenerativ erzeugtem Strom. Außer der Biomasse wird dann kein chemischer Energieträger mehr zur Verfügung stehen (siehe unten). Kombiniert mit einer intelligenten Vernetzung und Regelung aller Energiesysteme soll für jeden Einsatzzweck genügend Energie bereitstehen. Entscheidend wird sein, Technologien beziehungsweise ein Gesamtsystem mit hohen Wirkungsgraden zu entwickeln. Technisch machbar ist fast alles, es bleibt die Frage der Bezahlbarkeit – und des politischen Willens, der den gewählten Ansatz konsequent umsetzt und für stabile Rahmenbedingungen sorgt. Auch hier bleibt noch viel zu tun.

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WIE IST DIE SITUATION HEUTE?

Die mittlerweile recht hohe Gesamtleistung erneuerbarer Stromerzeuger führt bei entsprechenden Witterungsbedingungen immer häufiger zu einem Überangebot an Strom, das zwangsläufig sinkende Preise bewirkt. Was sich zunächst gut anhört, hat auch Schattenseiten. Denn nicht der Endverbraucher profitiert davon, sondern Großabnehmer, die in der Lage sind, an der Strombörse den überschüssigen Strom abzunehmen. Der Strompreis wird damit negativ! Aber während die Betreiber der EEG-Anlagen die Vergütungen für den von ihnen produzierten Strom unabhängig von der Nachfragesituation erhalten, müssen all jene Verbraucher, die die EEG-Umlage zahlen, die entstehenden Kosten tragen.

Wenn dann noch der subventionierte, günstige Strom zeitweise auch in Nachbarländer geleitet wird, entstehen neue Probleme. Die Energieversorger dieser Staaten haben in der Folge wirtschaftliche Einbußen zu verkraften, da sie ihren eigenen Strom nicht mehr verkaufen können und ihre Kraftwerke herunterfahren müssen.

In Zeiten, in denen die erneuerbaren Energien auf Grund der Witterungsbedingungen nur wenig Strom bereitstellen können, können heute noch konventionelle Kraftwerke für Ausgleich sorgen. Es steht genügend fossile Kraftwerkskapazität als Leistungsreserve zur Verfügung. Werden dennoch weitere Anlagen errichtet, steigt die Gesamtleistung der Kraftwerke an. Es droht das Risiko der Unwirtschaftlichkeit. Denn ein entscheidender Faktor ist die Nachfrage. Wenn sie nicht entsprechend der Leistung wächst, fallen unweigerlich höhere Kosten an.

Allerdings sind bislang nur die fossilen Kraftwerke in der Lage, Strom nach Bedarf zu liefern. Sie setzen Energieträger ein, die Energie in chemischer Form (z.B. Stein- und Braunkohle) gespeichert haben und nach aktuellem Bedarf verbrannt werden können, um damit Strom zu erzeugen. Die Energie liegt bei ihnen sozusagen auf Halde im Hof.

 Wenn nun im Rahmen der Energiewende gerade die fossilen Kraftwerke ersetzt werden sollen und damit zugleich die unerwünschten Kohlendioxidemissionen Geschichte sein werden, wird der Stromerzeugungsprozess mit chemischen Energieträgern entfallen. Unter den erneuerbaren Energien hat nur Biomasse Energie in chemischer Form gespeichert. Sie kann zwar einen wertvollen, aber längst nicht ausreichenden Beitrag leisten, um Angebot und Nachfrage zu entkoppeln und auch Energie für Wärmeversorgung und Mobilität bereitstellen. Die Anbaufläche ist begrenzt, und die Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau darf nicht vernachlässigt werden. Es bleibt also der Fokus auf regenerativ erzeugtem Strom. Er muss den Löwenanteil der künftigen Energieversorgung übernehmen. Aber kann er das überhaupt? Wie will man die Problematik der fluktuierenden Erzeugung volkswirtschaftlich sinnvoll lösen? Diese zentralen Fragen müssen gelöst werden.